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Ely Callaway und Callaway Golf – Ein Mann und sein Imperium

Der Startschuss für den grandiosen Aufstieg der Golfmarke Callaway, die heute neben King Cobra und TaylorMade eine der drei weltweit größten Hersteller für Golfausrüstung ist, fällt im Jahr 1982, also vor gerade mal einem Vierteljahrhundert.

In diesem Jahr nämlich erwirbt Ely Callaway für bescheidene 400 000 Dollar die kleine Golffirma Hickory Stick Ltd., die sich auf die Erzeugung von Schlägern spezialisiert hatte, deren Stahlschaft in einer Umhüllung aus Hickoryholz steckte. Dieses kleine Unternehmen sollte der Grundstein einer beispiellosen Entwicklung werden.

Heute ist die Callaway Golf Company eine renommierte, börsennotierte US-amerikanische Firma mit Sitz im kalifornischen Carlsbad und beschäftigt mittlerweile über mehrere tausend Mitarbeiter. Dabei ist Ely Reeves Callaway Jr. im Jahre 1982 längst kein junger Mann mehr, sondern bereits 63 Jahre alt. Geboren am 3. Juni 1919 in LaGrange, Georgia, und mit drei älteren Schwestern aufgewachsen, macht er schon mit 21 seinen Studienabschluss an der Emory University von Atlanta. Nach einem kurzen Arbeits-Intermezzo in der Trust Company of Georgia und fünf Jahren in der US Army steigt er in die Textilbranche ein, genauer gesagt in die Firma Burlington Industries, die damals weltweit größte Textilfirma. Alles, was der Südstaaten-Einzelgänger in seinem Leben in die Hand nimmt, verwandelt sich in Gold. Bei Burlington Industries arbeitet er sich bis 1968 zum Vorstandvorsitzenden hoch und verlässt das Unternehmen erst 1973, als es zu Streitigkeiten um die oberste Führungsposition kommt. Danach verlegt er sich auf etwas völlig anderes: die Herstellung von Wein. Er betreibt in Südkalifornien (genauer: in der Gegend um Ternecula) ein kleines, aber extrem feines Weingut namens Callaway Vineyard and Winery und bringt sein eigenes Weinlabel heraus, das Südkalifornien zu einem plötzlich extrem beliebten Herkunftsnachweis für Wein macht – und sogar Anekdoten liefert. Es heißt, Großbritanniens Königin Elizabeth habe auf einem offiziellen Mittagstreffen in New York für große Aufregung gesorgt, als sie gleich zwei statt dem üblichen einen Glas Wein getrunken habe – es war eine Flasche aus Callaways edlem Bestand. Erst 1981 veräußert der geschäftstüchtige Kalifornier mit dem branchen-unabhängigen Midas-Händchen und dem Willen zum unaufhaltsamen Aufstieg sein Weingut – für sensationelle 14 Millionen Dollar (was 9 Millionen Dollar Profit bedeutet).

Ein Jahr später dann also der Ankauf der Firma Hickory Stick. Ein Golf-Neuling war Ely Callaway indes nicht – seit seiner Jugend schwang er gern (und gut) den Golfschläger im LaGrange Highland Country Club und gewann als Teenager das jährliche Turnier des Clubs an vier aufeinander folgenden Jahren. Aber der Sprung aus dem Wein- ins Golfgeschäft war dennoch kein Pappenstiel. Doch das neue Metier sollte er ihm den größten Ruhm seines Lebens einbringen. Die Legende besagt, Ely Callaway sei 1981 zufällig in Indian Wells, Kalifornien, in ein Golfgeschäft gegangen – und habe dort einen Wedge-Schläger entdeckt, der ihn an die Schläger mit Hickory-Holzschaft erinnerte, mit denen er als Kind seine ersten Golfbälle gedroschen hatte, der aber zu Stabilitäts-Zwecken mit einem Kern aus Stahl ausgestattet war. Kurzentschlossen kaufte er die Hälfte der Firma Hickory Stick USA, den Hersteller dieses Wedges, und taufte sie in Callaway Hickory Stick USA um. Auch hier setzte er sofort seine grundlegende Geschäftsmentalität in die Tat um: groß denken und die fähigsten Leute einstellen. Er heuerte Richard Helmstetter an, der sich bis dato in der Billard-Branche einen Namen gemacht hatte, und ernannte ihn schon bald zum Chefdesigner seiner Golfschläger. Kurz darauf kaufte er seinen Geschäftspartnern auch die zweite Hälfte der Firma ab, zahlte sie aus, nannte das Unternehmen nun Callaway Golf und verlegte es aus dem kalifornischen Cathedral City in ein kleines, an der Küste gelegenes Städtchen namens Carlsbad, nur rund 30 Meilen nördlich von San Diego.
Der Erfolg war unglaublich: Der im Jahre 1988 mit 5 Millionen Dollar noch recht bescheidene Umsatz der Firma, deren Produkte Ely Callaway in den Anfangsjahren noch persönlich im Kofferraum seines Cadillac auslieferte, schnellte innerhalb von nur zehn Jahren auf 800 Millionen Dollar hoch. Im Jahr 1996 galt das Unternehmen schließlich als der weltweit größte Hersteller von Golf Equipment. Ely Callaway, der insgesamt vier Mal verheiratet war und drei Kinder hatte (Reeves, Nicholas und Lisa), starb im Juli 2001, also im Alter von 82 Jahren, an Bauchspeicheldrüsenkrebs, der erst wenige Monate zuvor, im April desselben Jahres, bei einer vorgeblichen Routine-Operation (Entfernung der Gallenblase) entdeckt worden war. Erst im Mai 2001 hatte Callaway das Präsidentenamt in seiner Firma niedergelegt und die Geschicke seines Lebenswerks in die Hände seines Nachfolgern Ron Drapeau gelegt.
Und worin bestand nun Ely Callaways Erfolgsrezept? Es liest sich so einfach, und doch ist es so schwer: Er hatte einfach die Nase immer vorn. Die Bereitschaft, hart und viel zu arbeiten und sich auf bahnbrechende Neuerungen einzulassen, die akkurate Planung, die persönliche Integrität und berufliche Flexibilität – all dies vereinte sich zu einem Business, das er gern „demonstrably superior and pleasingly different“ nannte (zu Deutsch: „nachweislich überlegen und wohltuend anders“). Er lancierte einige der größten technologischen Errungenschaften im Bereich moderner Golfschläger, die das vergangene Vierteljahrhundert erlebt hat. Da war zum Beispiel im Jahr 1988 ein neuartiges Set Eisenschläger, mit revolutionär designtem Schlägerkopf und dem Namen S2H2 – so genannt nach der alliterierenden Beschreibung „short, straight, hollow hosel“ (auf Deutsch: kurzes, gerades, nach innen gewölbtes Hosel = Verbindungsstück zwischen Schlägerkopf und Schaft).
Ein Jahr später bringt Callaway dann die S2H2 Metal Woods heraus, in traditioneller Größe gehaltene, aus rostfreiem Stahl gefertigte Schläger mit einem radikal neuen, vierfach facettierten Sohlen-Design. Beide Serien werden wahlweise in Stahl- oder Graphit-Fertigung angeboten. 1990 folgt die S2H2 Gems Club Serie für weibliche Spieler. 1990-91 dann das Produkt, mit dessen Namen das Unternehmen Callaway Golf im Allgemeinen in einem Atemzug genannt wird: die Big Bertha. Die Metal Woods (Hölzer-)Serie, an die Ely Callaway so unverbrüchlich glaubt, dass er ihre Herstellung sogar teilweise mit seinem Privatvermögen finanziert, verfügt über einen überdimensionierten Schlägerkopf und erreicht bereits im ersten Jahr ihres Vertriebs allein einen Umsatz von 21,5 Millionen Dollar. Big Bertha (Die Dicke Bertha) – den Namen leiht sich Ely Callaway von einer Kanone, genauer einem Haubitzen-Geschütz, das vom Deutschen Reich während des Ersten Weltkriegs erbaut wurde und als eine der ersten „Wunderwaffen“ gefürchtet war (und die wiederum nach Bertha Krupp von Bohlen und Halbach, der Ehefrau des Erbauers Gustav Krupp benannt worden war). Und mit dieser „Kanone“ wird die Firma Callaway geradewegs in den Olymp des Golfsports hochgeschossen. Zu ihrer Zeit gilt die Big Bertha als hochgradig modern und unterscheidet sich radikal von den bis dahin bekannten und üblichen Drivern: Während die meisten anderen Holzschläger aus Persimonenholz gefertigt sind, besteht die Big Bertha komplett aus rostfreiem Stahl und hat mit 190 Kubikzentimetern einen für damals extrem großen Schlägerkopf (zum Vergleich: Heute verwenden die meisten Profispieler Schlägerköpfe, die bis an die von der US-amerikanischen Golforganisation USGA zugelassene Maximalgröße von 460 Kubikzentimeten heranreichen, und ihre Driver bestehen zuweilen aus so „exotischen“ Materialien wie Titan.

Nach der Einführung der Original- Big Bertha bringt Callaway dann noch etliche andere „namensverwandte“ Schläger beziehungsweise Schlägerserien auf den Markt, so etwa die „Great Big Bertha“, die „Biggest Big Bertha“ sowie ihre dazugehörigen Entsprechungen aus Titan. Im Jahr 1996 kommen die „Big Bertha Gold Irons“ heraus, 1998 die „Big Bertha“ für Kinder, 2003 die „Great Big Bertha II“, 2004 die „Big Bertha 454“. Außerdem gibt es zwei Eisen-Serien sowie diverse Golfbälle (Red und Blue), die den berühmten Namen tragen. 1992 geht Callaway Golf an die New Yorker Börse und firmiert dort ab jetzt unter dem Namen ELY. Ein Jahr später wird die Callaway Golf Company Foundation gegründet, eine Organisation, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, bedürftige Menschen im Aktionsradius der Firma zu unterstützen. Im Jahre 2001 spendet sie beispielsweise rund 4,8 Millionen Dollar für gemeinnützige Zwecke. 1998 hatte der Firmengründer Ely Callaway, der von seinen Angestellten gern liebevoll „Mr C“ genannt wurde, in einem Interview gesagt: „Man kann die Kunden nicht für dumm verkaufen. Wenn sie dein Produkt kaufen sollen, muss es besser sein als die anderen. Es muss das Richtige sein.“ Und in der Tat ist es immer der Endverbraucher, dessen Zufriedenheit Callaway im Auge hat, wenn er seine Golfschläger entwirft. Seine Driver sind schon immer so gebaut gewesen, dass sie vor allem begeisterten Anfängern und Hobbyspielern den Einstieg in den technisch hochkomplizierten Sport leichter und befriedigender machten, indem sie ihnen bessere (hohe, lange und einigermaßen gerade) Schläge und somit schnellere Erfolgserlebnisse ermöglichten. Aber gleichzeitig vermögen Callaway-Erzeugnisse auch den höchsten Ansprüchen professioneller Spieler gerecht zu werden, denn für Low-Handicapper gibt es eine Vielzahl von Pro-Modellen. Es waren und sind bis heute viele große Spieler, die auf die Marke Callaway schwören, etwa Annika Sörenstam, die schwedische Profigolferin, die mit ihren herausragenden Leistungen quasi das weibliche Pendant zum legendären Tiger Woods im Herrengolf darstellt und 2003 in die World Golf Hall of Fame aufgenommen wurde. Auch Thomas Bjorn (Dänemark), Rich Beem (Vereinigte Staaten) und Phil Mickelson (die derzeitige Nummer 2 der Golf-Weltrangliste, ebenfalls aus den USA) schlagen ihre zahlreichen Turniersieg-Schläge ausschließlich mit Callaway-Produkten. „In einem Geschäft, das auf Vergnügen beruht“, sagte Callaway bei einer anderen Gelegenheit, „haben wir ein Produkt entwickelt, welches das Golfspielen für immer verändert hat.

Auch nach dem Tod des Firmengründers hält das Unternehmen an seiner Philosophie fest und führt die Geschäfte in seinem Sinne weiter. Immer wieder werden neuartige Produkte lanciert. Im Jahre 2002 führt Callaway zum Beispiel den C4 ein (Compression Cured Carbon Composite), einen Schläger mit revolutionärem Design, der unter Verwendung von Karbonfaser hergestellt wird. Aber auch die Big Bertha sowie Callaway Golfbälle kommt in immer weiter modernisierten Fassungen auf den Markt, und mit dem New Tour Blue Putter (2004) wird Callaway auch wieder zu einem großen Namen im Bereich der Putter. Das aktuellste Aushängeschild (2007) heißt FT-i Driver, der das Gewicht des Schlägerkopfes aus der Mitte in die vier Ecken verlagert und somit das Trägheitsmoment besser ausnutzt als jeder andere Schläger, der derzeit auf dem Markt ist. Heute besteht das Unternehmen Callaway Golf nicht mehr nur aus einer einzigen Firma, sondern ist eine Unternehmensgruppe aus vier Zweigfirmen: Neben dem Putterhersteller Odyssey und dem Schlägerhersteller Ben Hogan gehört auch der Golfball-Fabrikant Top-Flite (mit den Marken Firmfeel und Softfeel Golfballs) zur Callaway-Gruppe. Dieser breitbandige Zusammenschluss hat zur Folge, dass dem Käufer eine sehr große Auswahl nicht nur an Schlägern und Golfbällen, sondern auch an Golf Bags, Caps, auf Herren, Damen und Kindern jeweils speziell ausgerichtete Bekleidungs-Linien, Accessoires und Geschenkartikeln angeboten werden kann. Seit Frühjahr 2005 betreibt Callaway Golf zudem in Membury eine hochmoderne Logo-Druckerei, die Firmenkunden den Service anbietet, ihre Marke schnell und zuverlässig auf jedes Callaway-Erzeugnis gedruckt zu bekommen. Im laufenden Jahr 2007 sind besonders die Big Bertha 460 Driver sowie die neuen Big Bertha Fairwayholz-Modelle sehr gefragt. Das bei weitem umstrittenste Produkt aus dem Hause Callaway ist der ERC II Driver, der die Golfwelt regelrecht gespalten hat. Während er überall sonst auf der Welt in Hobby- und Profiturnieren gleichermaßen gespielt werden darf (und auf dem europäischen sowie japanischen Markt zu den absoluten Top Sellern zählt), ist er in den USA verboten.
die dem Unternehmen finanziell schade und der amerikanischen Welt der Durchschnittsgolfer den Zugang zu Material versage, das ihr Spiel entscheidend verbessern würde. In der Tat ging die US Golf Association sogar so weit, bei Fernseh-Übertragungen von USGA-Turnieren Werbespots für den ERC II zu verbieten und amerikaweit Geschäfte für professionelle Golfausrüstung anzuschreiben und darauf hinzuweisen, dass der besagte Driver bei Matches, die für den Spieler-Record und somit auch für die Berechnung des Handicaps zählten, nicht zugelassen sei. Ely Callaways größter Wunsch sei es schon immer gewesen, hieß es von der Pressestelle seiner Firma, dass die USGA und die R & A sich endlich einigen und der ERC II weltweit zugelassen werde. Bis zu seinem Tod im Jahre 2001 setzte er sich in gewohnt kämpferischer Natur für die Zulassung seines revolutionären ERC II ein.